justcarve

Davos 2009

Es ist schon irgendwie verrückt: Ich liege bei sage und schreibe 36 Grad Celsius im Liegestuhl einer Ferienanlage am Gardasee, drei Meter vom Swimmingpool entfernt und schreibe den Erlebnisbericht unserer Carvingwoche vom März diesen Jahres in Davos.

Der definitive Quantensprung!

Die Vorfreude auf diese Justcarvewoche war bei allen in diesem Jahr besonders  groß. Sie war so groß wie noch nie zuvor. Überhaupt wird es immer schlimmer mit uns… es geht eigentlich nur noch darum, wie wir den Sommer überstehen…

Nach unseren Erlebnissen im November 2008 beim Kaunertalwochenende mit Pureboarding, dem dort Erlernten (Danke Michi, Danke Jörg) und mit dem ständigen Gedanken an die Gewissheit, daß in dieser Woche eine neue Epoche des Boardens für uns anbrechen sollte, steigerte sich das „nicht mehr erwarten können“ ins Unermessliche! Pushingmails“, Botschaften verbal und in Papierform rund um das Bevorstehende waren an der Tagesordnung.
Jeder hat sich (wie immer) Ziele gesteckt, formuliert und bei diversen Vortreffen zum Besten gegeben. Der Kanzler berichtete uns, dass er weiter an seinem Stil und der Sicherheit beim Boarden nach überstandenem Kreuzbandriß arbeiten will und möchte an seine Vailerlebnisse anknüpfen.
Trotz unserer zweier Brettbrüche vom Kaunertal (die Tucke und ich „verloren“ ja dort unsere bislang unangefochtenen „besten Stücke“) will unser Kamikaze seinen „Virusfahrstil“ weiter ausbauen und (noch…) aggressiver und dennoch kontrollierter zur Sache gehen.
Die Tucke und ich standen aufgrund unserer bevorstehenden neuen Herausforderung ein wenig im Mittelpunkt dieser Woche. Grund dafür war, dass wir eine Woche lang die Prototypen vom neuen Pureboardingbrett fahren und testen durften. Es war uns eine große Ehre! Herzlichen Dank in diesem Zusammenhang nochmals an Jörg Egli und Remo von Pureboarding für diese für uns noch nie zuvor dagewesene Aktion.
Den Testbericht vom „Ding“, das jetzt „Black Diamand“ und „Bastard“ heißt, kann man auf unserer Seite nachlesen.
Leider fuhr unser Frodo dieses Jahr nicht mit. Knieprobleme ließen es nicht zu. Wir freuen uns schon auf 2010, wenn er wieder mit am Start ist und wir somit in breiter Boarderqualität auftreten können.

Dieses Jahr fuhren wir alle zusammen in einem Fahrzeug, dem Justcarvemobil in die Schweiz. Vielen Dank an Tucke für diese Möglichkeit der Gemeinsamkeit von Anfang an!
Thomas, ein Freund vom Kamikaze… jetzt unser aller Freund… empfing uns in der Parsennhütte direkt im Wintersportgebiet auf 2250 Meter Höhe. Unser Zuhause für diese Woche. Zentraler, von der Lage der Unterkunft, ging es nicht mehr, es sei denn man nächtigt direkt in der Liftstation…

Wir hatten eine Woche lang den Luxus täglich die Ersten auf den breiten Pisten von Davos/Klosters zu sein und genossen es zudem innig, stets die letzte Abfahrt des Tages in aller Ruhe und Einsamkeit zu reiten… man war das gigantisch… hier genießt das Wort „unbeschreiblich“ seine ganze Ehre.
Überhaupt liegt uns das Gebiet der Parsenn, Gotschna, Rinnerhorn und Jakobshorn sehr. Hier findet unser Carverherz alles was es zum Leben braucht: Gut gepflegte, breite Pisten, umgeben von einer wunderbaren Natur, welche mittels der klug angelegten Liftanlagen optimal zu erreichen sind. Der Weg mit dem Bus muss zwar für das kleine aber feine Rinnerhorn sowie für das Jakobshorn in Kauf genommen werden (wenn man wie wir mitten im Parsenngebiet gastiert), aber dafür wird man mit tollen Pisten belohnt. Am Rinnerhorn kann man carven wie der Teufel, da dieses Gebiet wenig besucht wird. Ein Abenteuer seiner Art ist es vom Weißfluhgipfel bis nach Küblis oder Saas abzufahren. Beginnend mit dem  atemberaubenden Panoramablick vom Gipfel über die Alpen (siehe Gallery Davos 2009 )  über meist präparierte Pisten bis ins Tal erstreckt sich über 14 Kilometer lang. Am Bahnhof Saas wartet dann eine gegrillte Wurst darauf, genüsslich gegessen zu werden. 

Wie schon in unseren Carverphylosophien beschrieben, erwarten wir nicht täglich perfekte Verhältnisse, sprich gut präparierte Pisten, Sonnenschein und klare Sicht und zudem nix los. Das Wetter und die Begebenheiten unserer Alpen ändern sich oft täglich. So war es auch in dieser Woche.  Der sensationellste Tag war der Mittwoch. Da traf mal wieder alles zu. Vielen Dank unserem Kameramann Thomas, der sich an diesem Tag größte Mühe gab  selbigen in fließenden Bildern festzuhalten. Wir bastelten dafür eine Vorrichtung auf Thomas` Helm. Leider stellte sich heraus, dass der Kamerawinkel zu tief eingestellt war. Die Pistenraupenfahrer würden sich über die Vielzahl unserer  Aufzeichnungen freuen, bei denen wir ihre Arbeit der Pistenpräparation würdigen… macht nix, aller Anfang ist bekanntlich schwer. Wir werden bestimmt noch viele schöne Filme auf unserer Seite veröffentlichen.   

Die Woche zeigte sich von den äußeren Witterungseinflüssen her gemischt. Am letzten Tag, es schneite und es hatte schwierige Bedingungen,  freute sich unser Kamikaze dennoch über einige turbulente Abfahrten. Kanzler und die Tucke ließen diesen Tag mit kulinarischen  Schweizer Köstlichkeiten ausklingen. Thomas verließ uns leider schon am Tag davor. Ich hatte die Möglichkeit  das „Ding“ im Tiefschnee zu testen. Das machte riesigen Spaß. Das Brettl ist echt extrem vielseitig einsetzbar. Die gesamte Woche wurde über dieses neue Brett fachgesimpelt und fast jeder Turn wurde reflektiert. 
Thomas und Kamikaze (volle Konzentration auf ihre Viruswaffen…) feilten ebenfalls erfolgreich an ihrem Stil. Wir zogen unsere Spuren mit Respekt aber ohne Angst in den Schnee. Wir alle hatten mächtig Spaß.

Erstaunlich, was für einen gewaltigen Sprung wir in unserer Boarderentwicklung in dieser Woche machten. Erlerntes aus unserer Schulungswoche im November setzten wir konzentriert um. Rotation und das Bewusstsein der richtigen Körperhaltung waren grundlegende Komponenten, welche wir zumindest meist in die Tat umsetzten. Wir waren uns alle einig: Es ist natürlich noch ein weiter Weg zur Perfektion…und wir freuen uns drauf…
Wir fühlten ganz bewusst jede Bewegung die wir machten. Wir fühlten die Zentrifugalkraft in den Kurven. Wir fühlten immer mehr die Macht, die in einer  Backside steckt. Wir fühlten uns gut. Sau gut.

In dieser Woche passte alles. Mit der Parsennhütte hatten wir die perfekte Unterkunft. Tolles Ambiente und sau geiles Essen. Eine Atmosphäre in höchster Qualität. Nicht zu vergessen sind die vielen Gespräche mit Menschen, welche wir kennengelernt haben und ein wenig unsere Justcarvephylosophie näher bringen konnten. Nicht zu vergessen sind auch die heißen Schokoladengetränke mit Rum nach dem Boarden.
Uns kam es so vor, als ob sich unsere Gedanken miteinander verbinden  und unsere Körper mit unseren Brettern verschmelzen und wir Eins mit den Bergen werden. Snowboarden wird uns immer bewusster.

Diese Woche war ein Quantensprung für alle. Und dieses Wort benutze ich wahrhaft nicht oft…

Der Frontsidebomber

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